Neue Technologien erobern das Gesundheitswesen und sorgen für einen zusätzlichen Wachstumsschub in der Branche. Risikokapitalgeber haben in den letzten Jahren Milliarden-Dollar in private Digital-Health-Unternehmen investiert. Stefan Blum und Marcel Fritsch, Portfoliomanager der Schweizer Bellvue Group, einem auf den Gesundheitssektor spezialisierten Asset Managers, rechnen daher mit einer Welle von Börsengängen aus diesem jungen Teilbereich des Gesundheitsmarktes.

30.05.2018, München / Frankfurt – Der Mehrwert zeige sich in fortschrittlichen medizinischen Behandlungsmethoden, aber auch in dringend benötigten Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Dank disruptiven Technologien wie beispielsweise Sensoren, Konnektivität oder Cloud Computing brächten Unternehmen heute neue oder verbesserte Produkte und Dienstleistungen auf den Markt mit positivem Effekt auf die Behandlungsqualität und die Kostenseite. Der Durchbruch von Digital Health zeige sich unter anderem in Bereichen wie Telemedizin, roboterunterstützte Chirurgie und Blutzuckerüberwachung. Bei den Anlagestrategen von Bellvue, die weltweit 5,4 Mrd. Schweizer Franken in Healthcare-Sektor investiert haben, ist das der Anlass zur Auflage eines neuen Aktienfonds, der dezidiert in Unternehmen dieses aufstrebenden Sektors investieren wird. «Risikokapitalgeber haben in den letzten sieben Jahren rund 24 Mrd. US-Dollar in 1.700 private Digital-Health-Unternehmen investiert, daher rechnen wir über die nächsten Jahre mit zahlreichen attraktiven Börsengängen. Ein weiterer Grund für ein Investment in den Sektor», so Portfoliomanager Stefan Blum.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Noch spielt die Musik für den Digital Health-Sektor allerdings im vorbörslichen Bereich. Bei einem Börsengang wollen Investoren heute meist einen Jahresumsatz im nahezu dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich sehen. Health Catalyst, Welltok, American Well, Grand Rounds Health, GoodRx, Oscar Health, Doximity und Zocdoc gelten als Kandidaten für Börsengänge in den USA. Aber nicht nur ein IPO (Initial Public Offering) kann den Wert innovativer Newcomer im Gesundheitsmarkt heben bzw. offenlegen. Experten sagen für die kommenden Jahre rege M&A-Aktivitäten voraus. Bestes Beispiel die Diabetes-App mySugr: Das Wiener Start-up. wurde im vergangenen Jahr für 80 Millionen Euro vom Schweizer Pharamkonzern Roche übernommen.

Neben Internetgiganten wie Apple, Google und Microsoft gelten vor allem Pharmakonzerne als potenzielle Einkäufer im Digital Health-Sektor. Das Interesse gilt den gesundheitlichen Erkenntnissen, die sich mit den Apps gesammelten Daten ableiten lassen. Daraus lassen sich Rückschlüsse für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und Medikamente schließen. Aber das ist nur einer von drei Gründen, für den bevorstehenden Siegeszug der Digitalisierung. Die Vernetzung von Ärzten und Patienten sorgt gleichzeitig für qualitative bessere Versorgung – vor allem bei chronisch Kranken – und zur verringerten Kosten. Die Unternehmensberatung PWC sieht ein Einsparpotenzial von 100 Mrd. Euro allein innerhalb der EU.

Warum der Fokus auf chronische Krankheiten? Sie verursachen die meisten Kosten, müssen nicht ständig neu diagnostiziert werden und die Zahl der Patienten steigt stetig an, weil die Menschen immer älter werden. Bislang fokussieren sich viele Apps auf Diabetes und Koronare Herzkrankheiten. Um den Diabetes-Markt ist ein wahres Wettrennen entstanden. Livongo aus Mountain View hat bislang 240 Mio. Dollar eingesammelt, Glooko aus Palo Alto wurde seit 2015 mit 71 Mio. Dollar Risikokapital ausgestattet. Google und der französische Pharma-Riese Sanofi schlossen ein 500 Millionen Dollar-Joint Venture namens Onduo. Welldoc (55,2 Mio. Dollar VC Funding) schloss Partnerschaften mit Samsung und dem US-Pharmakonzern Johnson&Johnson. Kein Wunder: Immerhin ist der Markt für Diabetiker in den USA etwa 200 Mrd. Dollar, in der EU rund 100 Mrd. Euro schwer. Die Kosten für die Behandlung chronischer Lungenerkrankungen liegen mit jährlich 82 Mrd. Euro in der EU allerdings nicht wesentlich darunter, und die WHO erwartet, dass die Zahlen der Lungenerkrankten bis 2030 weiterhin stark steigen wird. Die gerade auf aescuvest vorgestellt App KATA betritt dennoch weitgehend unbestelltes Terrain und ist die erste, ganzheitliche App, die zusammen mit Patienten mit Atemwegsbeschwerden entwickelt wird, und daher sich speziell an deren täglichen Bedürfnissen orientiert.

Eine Übersicht zum Thema E-Health


https://www.crunchbase.com/organization/glooko#section-locked-charts
https://www.crunchbase.com/organization/livongo-health