Professor Dr. Trinkmann

Wie digitale Tools die Lücke in der Atemwegsversorgung schließen

Wir freuen uns, heute mit Professor Dr. Frederik Trinkmann, leitender Oberarzt der Abteilung für Pneumologie und Atemwegsmedizin an der Thoraxklinik Heidelberg, sprechen zu dürfen. Professor Dr. Trinkmann ist ein renommierter Kliniker und Wissenschaftler in den Bereichen Atemwegsmedizin, Bioinformatik und digitale Gesundheitsintegration.

Er verfügt über fundierte Fachkenntnisse in den Bereichen Atemwegsversorgung, Therapieoptimierung und Einsatz innovativer digitaler Tools zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Asthma, COPD und Infektionskrankheiten. Herzlich willkommen, Frederik.

 

  1. Was ist in Ihrer klinischen Arbeit das häufigste Problem, das Sie beobachten, wenn Patienten ihre Inhalationstherapien anwenden müssen?

In der täglichen Praxis sind die häufigsten Probleme, die ich beobachte, auf eine falsche Handhabung des Inhalators und eine uns unbekannte Therapietreue zurückzuführen. Viele Patienten verwenden ihren Inhalator entweder nicht wie verschrieben oder machen Handhabungsfehler, die die Wirkstoffabgabe erheblich beeinträchtigen können, z. B. wenn sie vor der Inhalation nicht ausatmen, einen unzureichenden Inspirationsfluss haben oder nach der Inhalation nicht den Atem anhalten. Diese scheinbar kleinen Fehler können jedoch zu einer Unterdosierung führen, selbst wenn die Patienten glauben, dass sie sich vollständig an die Therapie halten.

  1. Das Interesse an digitalen Gesundheitsinstrumenten wächst, insbesondere im Bereich der Atemwegsbehandlung. Warum sind diese Instrumente Ihrer Meinung nach notwendig und wie können sie Ärzten und Patienten helfen?

Digitale Instrumente werden immer wichtiger, weil sie meiner Meinung nach eine große Lücke zwischen der gelegentlichen Überwachung während der Arztbesuche und der kontinuierlichen Realität des Patientenlebens schließen. Die Verwendung von Inhalatoren, die Symptome und die Therapietreue schwanken von Tag zu Tag, und Ärzte sehen in der Regel nur einen Ausschnitt davon.

Durch Echtzeit-Feedback und objektive Daten zur Verwendung der Inhalatoren durch die Patienten machen digitale Tools diese unsichtbaren Aspekte der Versorgung sichtbar. Sie ermöglichen es den Patienten, ihre eigene Technik und Therapietreue zu verstehen und zu verbessern, und sie helfen Ärzten, fundiertere, personalisierte Behandlungsentscheidungen zu treffen.

Letztendlich werden diese Tools die Atemwegsversorgung von einem reaktiven zu einem proaktiveren Ansatz verändern und eine Fernüberwachung der Patienten, frühzeitige Interventionen und hoffentlich bessere Langzeitergebnisse ermöglichen.

  1. Sie haben kürzlich mit dem digitalen Tool von Vision Health, der Kata®-App, gearbeitet. Was macht Kata® Ihrer Meinung nach im Vergleich zu herkömmlichen Trainings-Tools oder sensorbasierten Inhalator-Zusatzgeräten so einzigartig?

Heute konzentrieren sich die meisten digitalen Inhalator-Tools hauptsächlich auf Erinnerungen zur Einhaltung der Therapie. Sie zeigen an, ob ein Patient heute inhaliert hat oder nicht.

Die Kata®-App unterscheidet sich davon, indem sie weit über diese binären Informationen hinausgeht. Sie kombiniert objektive Inhalationsüberwachung mit Echtzeit-Feedback und Coaching auf Basis künstlicher Intelligenz und hilft Patienten so, ihre Inhalationstechnik kontinuierlich zu verbessern, anstatt sie nur an die Anwendung zu erinnern. Dadurch wird die Inhalation von einer passiven Routine zu einem aktiven, fortlaufenden Prozess. Das ist die Perspektive des Patienten.

Aus Sicht der Ärzte ist Kata® ebenfalls eine einzigartige Plattform zur Datenerfassung, da sie Echtzeit-Einblicke in die Einhaltung der Therapie, die Technik und die Erfahrungen der Patienten liefert. Dies kann dabei helfen, die Therapie individuell anzupassen und anschließend umfassendere Forschungsarbeiten zum Behandlungsverhalten im Alltag anzustoßen.

  1. Apropos Alltag: Wie sollten Patienten und Ärzte Ihrer Meinung nach damit umgehen? Wie sollten sie es in ihrer täglichen Atemwegsbehandlung einsetzen?

Ich denke, dass die Einführung eine gemeinsame Anstrengung von Ärzten und Patienten sein muss.

Ärzte spielen natürlich eine Schlüsselrolle bei der Empfehlung und Integration dieser Tools in die tägliche Behandlung. Patienten werden dies natürlich nicht von sich aus tun, wenn sie den Wert nicht verstehen und sich nicht unterstützt fühlen. Deshalb sind Aufklärung und Engagement auf beiden Seiten entscheidend.

Einmal im Einsatz, können digitale Tools meiner Meinung nach personalisiertes Coaching und Fernüberwachung bieten und Patienten dabei helfen, engagiert und zuversichtlich bei der Behandlung ihrer Atemwegserkrankungen zu bleiben. Gleichzeitig generieren sie einzigartige Daten zur Therapietreue und Inhalation, die datengestützte Entscheidungen ermöglichen, beispielsweise die frühzeitige Vorhersage von Komplikationen, die Optimierung der Therapie oder sogar die Auswahl des richtigen Inhalators.

Auf diese Weise wird digitale Gesundheit zu einer Brücke zwischen Klinik und Alltag und ermöglicht hoffentlich eine wirklich personalisierte und proaktive Atemwegsbehandlung.

Was denken Sie über die Lücke in der Atemwegsversorgung? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit!